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Familie Goldschmidt aus Gelsenkirchen-Horst


Werner Goldschmidt wurde am 1. April 1909 in Bad Orb geboren. Sein Vater war der Kaufmann Moritz Goldschmidt, geboren am 24. August 1879. Seine Mutter Hedwig Goldschmidt, geborene Bauer, geboren am 20. April 1884, stammte aus Forchheim. Die Familie war kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges nach Gelsenkirchen gezogen. Werner Goldschmidt hatte noch eine Schwester mit Namen Elsa, sie wurde am 17. März 1916 in Bamberg geboren. Elsa Goldschmidt konnte 1937 in die USA emigrieren.

Werner Goldschmidt war in den frühen dreißiger Jahren aus politischer Überzeugung aktiv im Widerstand gegen den Nationalsozialismus tätig. Am 6. März 1936 wurde er verhaftet und wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt.

In diesem Haus auf der Markenstr.  29 in Gelsenkirchen-Horst wohnte die Familie Goldschmidt.

Am 19. Dezember 1941 wurde er nach Verbüßung der Haft dem Gelsenkirchener Polizeigefängniss überstellt. Er sollte von dort zusammen mit seinen Eltern, die in Gelsenkirchen geblieben waren, "nach dem Osten" abgeschoben werden. Moritz und Hedwig Goldschmidt waren in ein Judenhaus in der Von-der-Recke-Strasse eingewiesen worden, Werner und seine Eltern wurden dann am 27. Januar 1942 mit etwa 355 weitern Gelsenkirchener Juden in das Ghetto Riga deportiert.

Moritz Goldschmidt starb dort an Typhus, Mutter Hedwig wurde bei Auflösung des Ghettos nach Auschwitz gebracht und dort ermordet. Werner Goldschmidt wurde am 11. April 1945 aus dem KZ Buchenwald befreit und kehrte im Mai 1945 nach Gelsenkirchen zurück. Am 9. August 1946 heiratet er in Gelsenkirchen die ungarische Jüdin Charlotte Perl. Charlotte Perl war eine der wenigen Überlebenden von den Mädchen und Frauen, die im KZ Außenlager Buchenwald auf dem Gelände der Gelsenberg Benzin AG als Zwangsarbeiterinnen eingesetzt waren. Beim letzten Bombenangriff vor Auflösung des Lagers im September 1944 wurde sie verletzt und mit Hilfe von Dr. Bertram verbrachte sie die Zeit bis zur Befreiung im April 1945 im Krankenhaus. Werner und Charlotte Goldschmidt wanderten mit Hilfe von Elsa Goldschmidt in die USA aus. Er hat später noch mehrmals Gelsenkirchen besucht, so folgte Werner Goldschmidt 1995 einer Einladung der Stadtverwaltung Gelsenkirchen zu einer Sondersitzung anläßlich der 50. Wiederkehr der Befreiung vom Nationalsozialismus. Dort berichtete er von der Verfolgung und Ermordung seiner Familie.

Quellenwerk: Stefan Goch "Jüdisches Leben"

Andreas Jordan, März 2006