Kapitelübersicht: → Der Klezmer-Workshop → Elena Gubenkos Geleitwort → Fotos vom Klezmer-Workshop → 2004 - Ein Blick zurück... → Elena Gubenko - "...Ich bin eine Weitgereiste" → Fotos: AWO 26. September 2004 → Fotos: Schloß Horst 2004
Klezmer - mehr als nur Musik
Klezmer ist die manchmal wilde, manchmal traurige Musik, die Juden in Ost- und Mitteleuropa seit dem Mittelalter gespielt haben. Heute wird diese Musik in der ganzen Welt gespielt und nun könnt ihr sie in Gelsenkirchen erleben! Nach dem großen Erfolg des Workshops "Klezmermusik und Jiddisch – Was ist das?" im Rahmen der "Klezmerwelten" in Gelsenkirchen im April 2004 nun eine neue Reihe "Klezmermusik und Jiddisch – Was ist das?" Der Workshop für Jugendliche hat noch freie Plätze. Der letzte Klezmerworkshop in dieser Reihe in diesem Jahr, diesmal mit der Band KLEZMER ALLIANCE (Köln / Manchester) am 11. Dezember 2004, 13 Uhr, Schloß Horst, Turfstraße 21, Gelsenkirchen-Horst Du hast Lust mal etwas Neues kennen zu lernen? Es macht dir Spaß, Musikinstrumente zu spielen, zu singen, zu tanzen oder Theater zu spielen? Dann komm zu uns in die Welt der Klezmermusik, Klezmertänze und jiddischer Geschichten. Zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen, zusammen mit Profimusikern kannst du den Workshop mitmachen. Egal ob du fortgeschritten, Anfänger oder einfach nur interessiert bist, gleich welcher Nationalität, Kultur- oder Religionszugehörigkeit - alle sind willkommen! Die Teilnahme ist kostenlos. Information und Anmeldung: Jüdischer Kulturverein KINOR → email an KINOR schreiben Veranstalter: Jüdischer Kulturverein KINOR, Deutsche Beamtenbund-Jugend NW, Stadt Gelsenkirchen Weitere Infos unter: → www.dbbjnw.de → www.klezmerwelten.de
Der Klezmer-WorkshopHallo Leute, wir, Elena Gubenko vom Jüdischen Kulturverein "KINOR" und Andreas Schmitges, Leiter des Workshops für Jugendliche im Rahmen der Musikreihe "Klezmerwelten 2004" in Gelsenkirchen, würden uns über Eure Teilnahme am Klezmer-Worskhop sehr freuen. Der Worskhop, den wir Euch ab 14. April anbieten, ist eine einmalige Gelegenheit, zusammen mit einigen der weltweit besten Klezmer-Musikern zu arbeiten und von ihnen zu lernen. Eure Lehrer kommen u. a. aus Berlin, den Niederlanden, Berkley (USA) und Chicago (USA) und zählen zu den Top-Leuten auf Ihrem Gebiet. Das zeigt schon, daß Klezmer-Musik und jiddische Kultur heutzutage eine internationale Bewegung ist, die sich seit den Klezmerwelten 2003 auch in Gelsenkirchen trifft. Wir wollen Euch mit diesen Künstlern einen Einstieg in diese Musik und Kultur geben und hoffen, daß Ihr zahlreich kommt und vielleicht noch ein paar Freunde mitbringt! Im Rahmen eines kleinen Kulturfestes am 22.April 2004 werden wir Workshop-Ergebnisse vorstellen. Zu allen Veranstaltungen von klezmerwelten 2004 habt Ihr als Workshopteilnehmer freien Eintritt! Wir werden während unserer Treffs eine freundliche, gemütliche und freie Atmosphäre schaffen. Jeder kann selbst entscheiden, ob er singen, tanzen, Musikinstrumenten oder Theater spielen will oder - alles zusammen. Einfach nur zu zuhören und die Gemeinschaft mit anderen jungen Leuten zu genissen ist selbstverständlich auch möglich, aber bei so vielen kreativen Aktivitäten wird sicherlich jeder die Möglichkeit haben, aktiv mitzumachen. Was genau erwartet Euch?An jedem Tag wollen wir uns einem speziellen Thema oder mit den verschiedenen Künstlern auseinandersetzen: Am Mittwoch 14.04.2004, nachmittags (voraussichtlich 15:45 /14:45 bis 19/18 Uhr), gibt es eine Einführung mit Elena und Andreas in die Welt der Klezmer. Ein paar Lieder zu singen, uns gegenseitig kennen zu lernen, das Worskhopsprogramm zu besprechen und vielleicht noch einige Überraschungen – das ist unser erste Treff. Wir erwarten auch Gäste an diesem Tag. Am Donnerstag, 15. April 2004, um 10 – 13 Uhr, werden wir die beiden Musiker Sanne Möricke (NL) und Christian Dawid (D) der Klezmer Band "Khupe" treffen und von Ihnen die ersten Informationen über zwei wichtige Instrumente in der Klezmer-Musik – Klarinette und Akkordeon – bekommen. Wir wollen zusammen mit Ihnen musizieren, singen und tanzen. Am Freitag, 16.04.2004, um 11-14 Uhr, kommen die Stars der neuen amerikanischen Klezmer-Formation "Veretski Pass" zu uns. Das sind Stuart Brotman (USA), Bass; Joshua Horowitz (USA), Tsimbl & Akkordeon und Cookie Siegelstein (USA), Geige. Auch von ihnen werden wir einiges über ihre Instrumente und ihre Musik erfahren, einige Klezmer-Melodien lernen und mit ihnen zusammen singen, spielen und tanzen. Freitag abend - Samstag abend - Sonntag abend gibt es einen Vortrag und die Konzerte von Khupe und Veretski Pass, zu denen Ihr als Workshopteilnehmer freien Eintritt habt! Am Dienstag, 20. April 2004, treffen wir uns nachmittags ab 16 Uhr und wollen versuchen, mit dem, was wir an den vorhergehenden Tagen gelernt und erfahren haben, unseren Beitrag für das Kulturfest am Donnerstag zu erarbeiten. Das kann alles mögliche sein: ein Lied, Tanz, Gedicht, Geschichte, Musik, Theater, Moderation oder irgendetwas andere, das sich um Klezmer und Jiddisch dreht. Elena und Andreas helfen Euch dabei musikalisch und organisatorisch. Am Mittwoch, 21.04.2004, treffen wir nachmittags ab 16 Uhr den großartigen Klezmer-Tänzer Steve Weintraub aus Chicago (USA), um von Ihm einiges über das jiddische Tanzen zu erfahren. Steve ist ein sehr guter Tänzer und ist sehr locker drauf – er hat schon sehr vielen Menschen auf unkomplizierte Weise den jiddischen Tanz näher gebracht. Abends könnt Ihr dann im Consol Theater das Gelernte gleich ausprobieren. Am Donnerstag, 22. April 2004, kommen wir dann alle noch mal zusammen, um das Kulturfest am Abend vorzubereiten und um uns zu überlegen, wie wir vielleicht auch nach dem Workshop weiter machen können (z. B. mit unserem Programm weiter auftreten, zusammen reisen usw.). Abends dann Kulturfest mit Euch, Elena, Andreas und der Gelsenkirchener Klezmer-Band "Badeken Di Kallah". Wir freuen uns auf unseren und Euren Workshop und hoffen, daß wir zusammen viel Spaß haben werden! Elena und Andreas Was solltet Ihr mitbringen: Musikinstrumente, wenn Ihr habt; Geräte zum Aufnehmen von Musik oder Sprache, wenn Ihr habt (z.B. MD oder Kassettenrecorder)
Elena Gubenkos GeleitwortLiebes Publikum! Warum trete ich, eine nicht-professionelle Sängerin, heute auf? Mit dem heutigen Abend möchte ich ein Gespräch, einen Dialog mit euch anfangen. Ich werde anfangs über die Dinge reden und dann singen, die für mich sehr wichtig und wertvoll sind. Ich will, ich muss dabei ein wenig über meinen Lebensweg erzählen. Heute sehen wir besonders deutlich, wie klein die Welt geworden ist und wie alles und alle miteinander verbunden sind. Wir alle, also fast die gesamte Menschheit leben in dieser "kleinen Welt" in einer Gleichzeitigkeit von Ort und Zeit. Wir hier, wir leben sogar in einem gemeinsamen Land, wir sind Nachbarn in unserer Stadt Gelsenkirchen. Wir kennen aber einander kaum, wir verstehen uns so gut wie gar nicht. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir einander brauchen. Heute mache ich den ersten Schritt zu euch, ich versuche, ein Stück meines Herzens für euch zu öffnen und reiche Euch meine Hand. Als nicht-professionelle Sängerin wage ich einen großen Schritt auf die Bühne und damit zu euch. Ich mache so einen Riesenschritt auf alle zu und hoffe, dass dieser fruchtbar wird, in dem ihr auf mich - auf uns Juden - zugeht. Ich, eine Jüdin aus der Ukraine, lebe mit meiner Familie schon seit elf Jahren in Deutschland. Wir wollen auch hier bleiben. Wir wollen hier nicht als Objekt, nicht nur als ein Begriff, als eine Definition von "Juden" betrachten bzw. behandelt werden. Wir sind lebendige Menschen, die genau so wie alle anderen Menschen ganz verschieden und unterschiedlich sind. Viele Klischees müssen gebrochen werden. Keine pathetischen Reden am 9. November, sowie Holocaust- Denkmäler oder andere Objekte aus Stein, Glas und Beton können den wirklichen Menschenkontakt ersetzen. Die besten Opfergedenken gegenüber heutigen Juden ist ernsthaftes so wie ehrliches Interesse an den jüdischen Mitbürgern in dieser Stadt und darüber hinaus. Wir möchten aktiv am Leben dieses Landes, insbesondere in dieser Stadt, teilhaben. Wir möchten nicht isoliert in einem so genannten "jüdisch-geistigen Ghetto" leben müssen. Wir sind nach Deutschland gekommen mit unserer Vergangenheit und Träumen, mit eigenen Werten und eigener Kultur. Wir haben auch Probleme wohl auch Errungenschaften mitgebracht - wir leben hier mit allem, was wir haben. Und unsere geistigen und kulturellen Schätze möchten wir gerne mit euch teilen. Meine Lieder erzählen auf ihre Art von all dem, was ich versucht habe, hier in Worte zu fassen. Meine Lieder sind hörbare, sicherlich vielmehr spürbare Gefühle für ein kulturelles Miteinander. Ich hoffe, liebes Publikum, mein Schritt auf die Bühne, als ein Schritt auf euch zu, wird erwidert durch einen Schritt, vielleicht nur winzig kleinen auf uns zu - den jüdischen Mitbürgern, euren Nachbarn in dieser Stadt - für ein friedliches Miteinander. Gelsenkirchen, im April 2004. Elena Gubenko
Fotos vom Klezmer-Workshop
2004 - Ein Blick zurück...

...auf "Klezmermusik & Jiddisch - Was ist das?" Ein Workshop für Jugendliche mit ANDREAS SCHMITGES zum Mitmachen, Mitspielen, Mittanzen, Mitlernen - unterstützt vom "Jüdischen Kulturverein Kinor". 14.-22. April 2004 im Internationalen Migrantenzentrum der AWO. Bei insgesamt sechs Treffen beschäftigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer intensiv mit vielen Facetten der jiddischen Musik. Schon am ersten Tag mit Andreas Schmitges wurde gesungen, gespielt und getanzt. Es waren sogar zwei Jiddisch-Muttersprachler, Frau Bujwol und Herr Alperin, aus Gelsenkirchen gekommen, um allen die richtige Aussprache der Liedtexte zu demonstrieren. Immer dabei war Elena Gubenko, die die Idee zu diesem Workshop hatte und ihn mit dem Jüdischen Kulturverein "Kinor" tatkräftig unterstützte. |
 
Es folgten zwei Treffen mit den Mitgliedern der Ensembles "Khupe" und "Veretski Pass". Hier stand die instrumentale Klezmer-Musik im Vordergrund. Schon eine Stunde Unterricht bei den gefeierten Stars der internationalen Klezmer-Szene ließ so manches Instrument gleich "klezmeriger" klingen. Cookie Segelstein hinterließ bei den Teilnehmern einen besonderen - nicht nur musikalischen - Eindruck. "Cookie, we love you!" war von den Teilnehmern zu hören, als sie beim Konzert am Sonntag die Bühne betrat... Ein Nachmittag war dann ganz dem Klezmertanz gewidmet: Mit Steve Weintraub verging die Zeit bei "Bottledance", Frejlechs, Scher und Bulgar so schnell, daß der Kurs um fast eine Stunde überzogen wurde. Das Gelernte konnten dann alle gleich am Mittwoch beim Tanzabend mit Steve Weintraub anwenden. |
 
Die letzten beiden Treffen dienten dann der Vorbereitung der Präsentation am Donnerstag, 22. April 2004 im neuen Migrantenzentrum der AWO. |
Die Teilnehmer proben für den "großen Auftritt" mit Badeken di Kallah:
Die Teilnehmer des Workshops Klezmerwelten präsentieren ihre Ergebnisse:  Links: Andreas Schmitges, rechts: Workshop-Teilnehmer zusammen mit Badeken di Kallah |  Bilder: Teilnehmer des WorkshopsSchon im letzten Teil des Konzertes von Elena Gubenko und "Badekn di Kalah" wirkten die jungen Leute aus Gelsenkirchen und Umgebung als Schauspieler, Sänger und Tänzer mit. Den zweiten Teil gestalteten sie dann alleine: Die Workshop-Klezmer-Band präsentierte mit Andreas Schmitges die von "Khupe" und "Veretski Pass" gelernten Klezmer-Stücke, die begeistert beklatscht wurden. |

Danach betraten dann alle restlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Bühne und sangen die jiddischen Lieder "Di Sapozhkelekh" und "Sholem", deren Refrain vom Publikum lautstark mitgesungen wurde. Dies führte schnell zum - in Gelsenkirchen schon traditionellen - Klezmertanzen mit den Jugendlichen und den Konzertbesuchern. Den Abschluß bildete die jiddische Ermahnung: "Es iz shoyn shpeyt ..." mit der Aufforderung, doch angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit einander nach Hause zu begleiten - im Ohr noch die Melodie dieses letzten Liedes. |
Fotos von Christoph Giese und Elena Gubenko
2004 - Ein Blick zurück......auf "Badeken di Kallah mit Elena Gubenko" 22. April 2004 im Internationalen Migrantenzentrum der AWO in Gelsenkirchen

Badeken di Kallah und Elena Gubenko, rechts: Norbert Labatzki und Badeken di Kallah. |
Elena Gubenko - "...Ich bin eine Weitgereiste"

[...] Die Architektin Elena Gubenko ist weit gereist - von der Ukraine bis in ihre neue Heimat nach Gelsenkirchen. Und so hat sich die Vorsitzende des jüdischen Kulturvereins "Kinor" auf die Bühne des Internationalen Migrantenzentrums der AWO [...] gewagt, um aus ihrem Leben zu erzählen und zu singen. [...] "Hey Jude" und "Summertime" hat Elena Gubenko mit eigenen russischen Texten versehen. Gefühlvoll und begleitet von der Gelsenkirchener Klezmerformation "Badeken di Kallah" sang sie diese beiden Kultstücke. Den Mut, als nichtprofessionelle Sängerin ihr erstes Konzert zu geben, erklärt Elena Gubenko mit dem Wunsch, einen Dialog zu starten und Gelsenkirchenern ihre eigene Kultur näher zu bringen. [...]. Auch die Jugendlichen des "KINOR - Workshops" machten jetzt mit kleinen Schauspieleinlagen mit, bevor sie am Ende des Abends noch Ergebnisse ihrer mehrtägigen Zusammenarbeit mit Andreas Schmitges erklingen ließen. [...] Getanzt wurde an diesem Abend auch wieder – zur Musik von "Badeken di Kallah". Soviel Klezmer wie in Gelsenkirchen habe sie noch nirgends gehört, ließ Elena Gubenko wissen. Ein schönes Lob für die Veranstalter der "Klezmerwelten".

Elena Gubenko - eine starke Frau |

Links: Elena Gubenko mit der Band, Rechts: Badeken di Kallah |
Fotos: Elena Gubenko, KINORChristoph Giese in Buersche Zeitung und Ruhr Nachrichten (Buer und Gelsenkirchen), 24. April 2004
Fotos AWO 26. September 2004Fotos Schloß Horst 2004Quelle: Elena Gubenko, KINOR. April 2008. (Die Texte und Bilder stellt KINOR bereit, Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Elena Gubenko) Andreas Jordan, Juli 2008
|