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Enteignet, vertrieben, ermordet - Jüdische Geschäftsleute in Gelsenkirchen

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Gelsenkirchen, Bahnhofstrasse 1904. Im Hintergrund rechts ist einer der Türme der alten jüdischen Synagoge zu sehen

Gelsenkirchen, Bahnhofstrasse 1904


Jüdische Inhaber - Geschäfte an der Bahnhofstrasse

Zu den Geschäften an der Gelsenkirchener Bahnhofstrassse (In den 1930er Jahren im Volksmund auch "Jerusalemer Straße" genannt) zählen die folgende Geschäfte und Praxen, deren Inhaber jüdische Menschen waren, die von den Nazis enteignet, vertrieben und in der Mehrzahl der Fälle in den Vernichtungslagern ermordet wurden.

Moritz Groß, Schuhe. Bahnhofstrasse Nr. 13

Erich Neuwald, Konfitüren. Bahnhofstrasse Nr. 14

Markus Cohen, Konfektion. Bahnhofstrasse Nr. 19

S. Großmann, Hüte. Bahnhofstrasse Nr. 20

Gompertz GmbH, Pelz u. Mode. Bahnhofstrasse Nr. 22

B. Windmüller, Feinkost. Bahnhofstrasse Nr. 23

Ella Wimpfheimer, Textilwaren. Bahnhofstrasse Nr. 33

Theodor Löwenstein & Co, Putz u. Modewaren. Bahnhofstrasse Nr. 33

Bamberger, Manufakturwaren- und Konfektionshandlung. Bahnhofstrasse Nr. 35

Isidor Wollenberg, Konfektion. Bahnhofstrasse Nr. 36

Josef Stamm, Putz u. Modewaren. Bahnhofstrasse Nr. 38

Hugo Broch, Möbel. Bahnhofstrasse Nr. 40a

Eisig Halpern, Wäsche. Bahnhofstrasse Nr. 42

Dr. Hugo Alexander, Hautarzt. Bahnhofstrasse Nr. 42

Gustav Carsch & Co GmbH, Damen u. Herren Konfektion. Bahnhofstrasse Nr. 48-52

Appelrath & Cüpper GmbH, Damenkonfektion. Bahnhofstrasse Nr. 49

Friedrich Winter, Weißware. Bahnhofstrasse Nr. 54

Gebr. Alsberg, Kaufhaus. Bahnhofstrasse Nr. 55-65

Gebrüder Goldblum, Herren Konfektion. Bahnhofstrasse Nr. 62


Gelsenkirchen, Bahnhofstrasse, 1924. Links die Fassadenwerbung der Gebr. Goldblum

Gelsenkirchen, Bahnhofstrasse, 1924. Links die Fassadenwerbung der Gebr. Goldblum"


Fritz Goldschmidt, Tabakwaren. Bahnhofstrasse Nr. 71

Hermann Oppenheimer, Konfektion. Bahnhofstrasse Nr. 76

Otto Samson, Schuhhaus. Bahnhofstrasse Nr. 78

Leopold Mosbach, Manufakturwaren. Bahnhofstrasse Nr. 80

Leo Toppermann, Schneider. Bahnhofstrasse Nr. 80

Jenny Boley, Herrenartikel. Bahnhofstrasse Nr. 85


Jüdische Inhaber - Geschäfte an der Bochumer Straße

Bochumer Straße 24, Viehhändler Gebrüder Katz

Hier lebten Fritz Katz geboren 1906 und sein Bruder Erich, geboren 1910 mit ihrer verwitweten Mutter Jettchen Katz, geboren 1877. Der Gründer des Geschäfts, Jakob Katz, geboren 1880, war 1932 verunglückt. Nachdem das Geschäft durch antijüdische Maßnahmen ruiniert war, floh Fritz Katz 1936 in die Niederlande und konnte von dort 1939 in die USA ausreisen. Erich Katz floh 1938 gleichfalls in die Niederlande. Er wurde 1939 von dort nach Deutschland abgeschoben und im KZ Buchenwald ermordet. Jettchen Katz wurde am 27. Juli 1942 aus Gelsenkirchen in das Lager Theresienstadt deportiert und gilt als verschollen.

Bochumer Straße 24, Hut-, Pelz- und Modegeschäft der Familie Plaut

Aus Hamburg kommend hatten Leopold Plaut, geboren 1887 und seine Frau Helene, geboren 1887 dieses Geschäft und das Haus übernommen. In Gelsenkirchen wurden 1915 der Sohn Hans und 1921 die Tochter Grete geboren. In der Weltwirtschaftskrise musste die Familie das Haus verkaufen. Im „Dritten Reich“ beteiligte sich Hans Plaut am Widerstand gegen den Nationalsozialismus und wurde nach seiner Verhaftung zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. 1939 gelang der Familie die Flucht nach Lateinamerika, zunächst nach Bolivien, dann nach Caracas in Venezuela, wo Hans Plaut eine erfolgreiche Karriere in der Wirtschaft machte und als Vertreter jüdischer Organisationen wirkte.

Bochumer Straße 92, Geschäftshaus Buchthal

Bis zu den Deportationen wurde das Haus der Familie Buchthal als "Judenhaus" genutzt, um dort jüdische Bürgerinnen und Bürger Gelsenkirchens zu isolieren und zu sammeln. Julius Buchthal, geboren 1874, hatte in seinem Haus ein Geschäft für Stoffe, Wäsche und Bücher betrieben. Mit seiner Frau Frieda, geboren 1881 wurde er am 31. März 1942 aus Gelsenkirchen in das Ghetto Warschau deportiert. Während Julius Buchthal als in Auschwitz verschollen gilt, ist für seine Frau kein letztes Lebenszeichen mehr bekannt. Der Sohn des Ehepaares, Rudolf, geboren 1914, wurde noch vor seinen Eltern am 27. Januar 1942 in das Ghetto Riga deportiert und wurde im KZ Stutthof ermordet.

Quelle Adressdaten: Institut für Stadtgeschichte (ISG) Gelsenkirchen

Die aufgeführten Betriebe stellen lediglich einen Teil der in Gelsenkirchen zwischen 1933-1945 ansässigen Geschäfte und Firmen dar, deren Inhaber bzw. Inhaberinnen Juden waren.

Spuren jüdischer Geschäftsleute - Dokumente

M. Voosen & Söhne, Gelsenkirchen, Am Schlachthof


Firma Voosen, Gelsenkirchen

Louis Herzfeld G.M.B.H., Gelsenkirchen, Am Schlachthof


Firma Herzfeld, Gelsenkirchen

"FISCHHAGE" FISCHHANDELSGESELLSCHAFT M.B.H., Zentrale Gelsenkirchen, Wildenbruchstrasse 8

Dieser Betrieb gehörte bis zur "Arisierung" der Familie Isidor Isacson (früher Isaacksohn). Am 25. April 1933 "verkauften" Isidor und Herbert Isacson erste Unternehmensanteile. Unmittelbar danach wurde das Unternehmen in "Fischhage, Fischhandelsgesellschaft m.b.H." umbenannt. Die endgültige "Arisierung" des Betriebes wurde dann 1937 vollzogen.


Fischhandelsgesellschaft, Gelsenkirchen

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Andreas Jordan, März 2009

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