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Jüdisches Leben in Gelsenkirchen und anderswo

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Hass und Hetze: Offener Antisemitismus bricht sich Bahn 

Juli 2014. In jüngerer Zeit kam es auch in Gelsenkirchen wiederholt zu Angriffen und Drohungen gegen jüdische Menschen und Einrichtungen. So war es Mitte Mai ein aufgesprühtes Hakenkreuz, mit dem die Außenmauer der Gelsenkirchener Synagoge verschandelt wurde.

Am 12. und 14. Juli 2014 fanden vor dem Hintergund der erneuten Eskalation des Nahost-Konflikts in Gelsenkirchen Demonstrationen statt, bei der auch antijüdische und volksverhetzende Parolen, wie u.a. “Hamas, Hamas, Juden ins Gas!” skandiert wurden. In ihrem Pressebericht verschweigt die Polizei Gelsenkirchen diese verbalen Exzesse. Auch wurde auf den Demonstrationen der so genannte "Hitlergruß" gezeigt. Die Polizei beschränkte sich darauf, die Demonstration mit einem Großaufgebot zu begleiten, griff aber nicht ein.

Nach dem WM-Endspiel am vergangenen Sonntag fand eine weitere, thematisch gleichgelagerte Demonstration in Gelsenkirchen statt. In dieser Nacht versuchten bislang unbekannte Täter vergeblich, mit einem Gullideckel eine Scheibe der Synagoge einzuschlagen.

Angriff auf die Synagoge Gelsenkirchen

Deutlich sichtbar: Spuren des nächtlichen Angriffs auf die Synagoge in Gelsenkirchen

Auf beiden Kundgebungen in Gelsenkirchen entlud sich wie auch auf Demonstrationen in den Nachbarstädten Essen, Gladbeck und Dortmund in den skandierten Parolen blanker Hass gegen jüdische Menschen. Mit einer durchaus legitimen Kritik an der israelischen Regierung und politischer Meinungsäußerung hat solch eine menschenverachtende Hetze nichts mehr zu tun. Das ist lupenreiner Antisemitismus, der gesellschaftlich geächtet werden muss. Wir erklären uns solidarisch mit allen Betroffenen antisemitischer Gewalt und distanzieren uns von jeder Verharmlosung des Antisemitismus.

(Quelle: PresseInfo Gelsenzentrum e.V. vom 16. Juli 2014)


Es braucht noch ein wenig Jüdischkeit...

Juden in Deutschland werden in der allgemeinen Geschichtsdarstellung überwiegend als Verfolgte, Opfer oder Objekte thematisiert. Um diese einseitige Darstellung aufzubrechen, stellen wir hier auch Artikel vor, die lebendige und facettenreiche deutsch-jüdische Geschichte zum Inhalt haben - Artikel und Berichte, die sich thematisch mit der Anerkennung des jüdischen Erbes als Teil der deutschen Kultur und Geschichte beschäftigen bzw. die Wahrnehmung der jüdischen Geschichte über den Aspekt einer bloßen Opfergeschichte hinaus fördern. Deutsch-jüdische Geschichte ist integraler Bestandteil der Deutschen Geschichte, ohne sie bleibt Deutsche Geschichte unvollständig.

Synagoge Gelsenkirchen

Die am 1. Februar 2007 eingeweihte Synagoge Gelsenkirchen


Fortschreibung: Synagogenverbot für das Ehepaar Jordan 

Gelsenkirchen. In verschiedenen Medien wurde das Thema inzwischen aufgegriffen. Am 21. Dezember 2012 veröffentlichte die WAZ einen Leserbrief von Klaus Brandt:
"Ziviler Umgang statt einer Art Fahndungsfoto! Verbale Abrüstung statt "Hochsicherheitsbereich" und "Hausfriedensbruch"! Transparenz statt "von mir nicht initiiert"! Sorgfältige Recherche statt Vorab-Schuldzuweisung an einen Betroffenen, der öffentlich Alarm schlägt! Aussprache und Versöhnung: Jawohl! Dies sollte jetzt hochkarätig moderiert werden. Unserer Stadt droht sonst Schaden für ihr zivilgesellschaftliches Leben unter der Herrschaft des Grundgesetzes."

WAZ GE (Online) schreibt am 18.12.2012: Synagogenbesuch: Stolperstein-Initiator scheint unerwünscht

Gelsenblog schreibt am 19.12.2012: Jordan: “Die Vorsitzende lügt”

WAZ GE (Printausgabe) schreibt am 22.12.2012; Kommentar: 

Ein fader Nachgeschmack bleibt

Von Inge Ansahl

Fahndungsfotos gleich sind die beiden Bilder von Heike und Andreas Jordan, die in der Pförtnerloge der neuen Synagoge auf die beiden offensichtlich unerwünschten Personen hinweisen. Was um alles in der Welt ist da passiert? Warum trennt die Gemeinde und Gelsenzentrum ein so tiefer Graben? Das muss man sich einfach fragen, wenn man weiß, dass doch beide ein gemeinsames, wichtiges Ziel verfolgen: nämlich offensiv gegen das Vergessen einzutreten und die Erinnerung an das Schicksal der Opfer des Naziterrors wach zu halten.

Die Jordans haben den Kölner Künstler Gunter Demnig und die Stolpersteine nach Gelsenkirchen geholt. Jeder Stein, der inzwischen verlegt wurde, steht für ein zumeist jüdisches Schicksal in der Nazidiktatur, steht für Verfolgung, Deportation, vielfach für qualvollen Tod im Konzentrationslager. Die Jüdische Gemeinde um ihre Vorsitzende pflegt ebenfalls eine Gedächtniskultur - aber eben in anderer Form. Eine an sich doch wunderbare Ergänzung, möchte man meinen. Würde da nicht dieser schlecht in Worte zu fassende, kaum mit Fakten zu belegende und offenbar unüberwindbare - menschliche? - Konflikt als trennendes Element zwischen den Jordans und ihrem Gelsenzentrum auf der einen und Judith Neuwald-Tasbach nebst Jüdischer Gemeinde auf der anderen Seite bestehen.

Der hinterließ im Fall des gescheiterten Synagogenbesuchs sicher auch einen faden Nachgeschmack bei den jüdischen Angehörigen von Nazi-Opfern, die ebenfalls unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten. Die Gäste aus Israel und Kanada wollten bei ihrem Besuch in Gelsenkirchen gern auf die Gedenktafel in der Synagoge schauen. Sicher, die ist sonntags geschlossen. Aber schließt das ein spontanes Entgegenkommen aus? Der Bogen zwischen dem großen gemeinsamen Ziel und getrennten Aktionen, um dies zu erreichen, ließe sich noch weiter spannen. Aber das ist ein anderes Thema. Die Geschichte des gescheiterten Synagogenbesuchs schreit förmlich danach: Leute, redet miteinander, räumt Missverständnisse aus!

WAZ GE (Printausgabe) schreibt am 27.12.2012:  

Diskussion um Synagogenbesuch geht weiter

Andreas Jordan korrigiert Aussagen der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde

Synagoge Gelsenkirchen: Andreas Jordan korrigiert Aussagen der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde


Projektleitung der Stolperstein-Initiative Gelsenkirchen darf nicht in die Synagoge

Ungeheuerlichkeit: Fotos der Jordans in der Synagoge Gelsenkirchen

Fotos in der Synagoge Gelsenkirchen, Vermerk in kyrillischer Schrift: NICHT REINLASSEN! Den Schnappschuss von den Fotos hat uns ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Gelsen-kirchen zur Verfügung gestellt   Zum Vergrößern anklicken

Die jüdische Gemeinde Gelsenkirchen schreckt auch vor zweifelhaften Methoden nicht zurück. Im Stile von Fahndungsfotos wird das Pförtner-personal in der hiesigen Synagoge auf russisch angewiesen, die Organisatoren der Stolperstein-verlegungen in Gelsenkirchen nicht in das Gebetshaus hineinzulassen.

Die Fotos aus einer der Überwachungskameras, auf denen Heike und Andreas Jordan rot markiert sind, hängen nach Aussage von Gemeindemitgliedern bereits seit April 2012 in der Pförtnerloge der Synagoge Gelsenkirchen. Eine Begründung für die Ausgrenzung der Jordans gibt es nicht. Die dafür verantwortliche Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, Judith Neuwald-Tasbach, hat sich bisher nicht zu dem Vorfall geäußert. Es klingt angesichts dieser Vorkommnisse wie eine Farce, wenn man das Zitat über dem Eingangsbereich der Synagoge liest: "Mein Haus ist ein Haus der Gebete aller Völker."

Judith Neuwald-Tasbach

Abb.: Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen. Erste Stimmen werden laut und fordern ihren baldigen Rücktritt.

Elena Gubenko, langjähriges Mitglied der Gemeinde und Vorsitzende des jüdischen Kulturvereins KINOR in Gelsenkirchen kommentiert den Vorfall: "Was hier passiert ist, kann ich nur als einen Skandal bezeichnen. Andreas und Heike Jordan werden nicht zum ersten Mal von dieser Frau diskriminiert und beleidigt. Ich bin Zeugin." Auch im sozialen Netzwerk Facebook wird mittlerweile über diesen Akt der Diskriminierung heiß diskutiert.

In einer der zahlreichen Solidaritätsbekundungen, die wir aus dem In- und Ausland erhalten haben, heißt es: "(...) Doch auch darüber hinaus ist klar: die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde sollte schleunigst zurücktreten und sich umgehend öffentlich und persönlich bei euch entschuldigen für diese Ungeheuerlichkeit! Das ist sie euch - aber auch uns allen - schuldig nach dem, was hier passiert ist!"

Unvergessen: Leo Gompertz (1887 - 1968) 

Leo Gompertz wurde am 15. Januar 1887 in Krefeld geboren. Er lebte als Kaufmann, Philanthropist und Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Gelsenkirchen. Später wurde er Direktor von "Haus Bertha", einem Ferienlager und einer Erholungsstätte für jüdische Kinder, unterstützt durch den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Gompertz emigiriert 1939 über die Niederlande in die Vereinigten Staaten, wo er bis zu seinem Tod in New York City am 26. Februar 1968 lebte. Leo Gompertz setzte sich im Dienste des Judentums auch nach 1945 besonders für die überlebenden Juden der Shoa in Gelsenkirchen ein und hat so den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen nach dem 2. Weltkrieg erst möglich gemacht. Als Vorsitzender des "Relief Commitee for Jews in Gelsenkirchen" in New York organisierte Leo Gompertz in den ersten Nachkriegsjahren immer wieder Geld- und Lebensmittelspenden für die nach Gelsenkirchen zurück gekehrten Juden.

→ Leo Gompertz: ein jüdischer Aktivist

Spuren Jüdischen Lebens in Gelsenkirchen 

Zeugnis jüdischen Lebens in unserer Stadt: Die Wahlliste vom 16. November 1930 zur Gründung der liberalen jüdischen Synagogengemeinde. Aufgeführt sind die Kandidaten nebst ihrer damaligen Wohnanschrift.

→ Spuren jüdischen Lebens in Gelsenkirchen - Wahlliste 1930

Jüdisches Leben in Gelsenkirchen-Horst 

Anfang 1933 hatten wir es in Horst mit einer keineswegs kleinen jüdischen Gemeinde zu tun. Viele der Jüdische Mitbürger waren Inhaber von Geschäften, besonders der Textil-, Schuh-und Möbelbranchen, oder sie waren Angestellte in diesen Betrieben.

→ Jüdisches Leben in Gelsenkirchen-Horst

Fotostrecke vom "Tag der offenen Tür"

Diese Bilder vermitteln einen ersten Eindruck von der Synagoge und der gelungenen Innenarchitektur. Die Architekten Benedikta Mishler und Reinhard Christfreund haben ein wunderschönes Gebäude geschaffen. "Jüdisches Leben im Herzen der Stadt" - am 1. Februar 2007 hat es in Gelsenkirchen wieder begonnen. Die neue Synagoge ist ein wichtiges Zeichen für die die hier lebenden Menschen und die Stadt Gelsenkirchen.

→ Fotostrecke vom Tag der offenen Tür in der Synagoge.

Fotoalbum: Jüdisches Leben in Gelsenkirchen 

Sehen sie sich Fotografien aus den Alltagsleben unserer jüdischen Mitmenschen an. Hier sehen Sie Aufnahmen, die vor 1945 entstanden sind. Helfen Sie uns, die Bildsammlung zu vergrößern, helfen Sie mit, die Erinnerung an Menschen jüdischen Glaubens aus Gelsenkirchen zu wahren. Wie sagte *Franz Rosenzweig? "Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung".

→ "Jüdisches Leben"

Jüdische Friedhöfe in Gelsenkirchen

Der jüdische Friedhof in Gelsenkirchen-Buer war von 1909 bis 1939 Teil des städtischen Friedhofes an der Mühlenstraße. Der Friedhof wurde im November 1938 verwüstet. (Pogromnacht 9./10. November, die so genannte " Reichskristallnacht). Die Grabsteine wurden zerstört oder zweckentfremdet. Auch in Horst-Süd gab es seit 1920 einen jüdischen Friedhof, der größte Teil wurde ebenfalls im November 1938 verwüstet. Bei einem Luftangriff im Sommer 1944 wurde er vollends zerstört. Auf der Fläche legte man Massengräber für russische Zwangsarbeiter an, die bei Bombenangriffen getötet wurden.

Der älteste jüdische Friedhof auf Gelsenkirchener Stadtgebiet befindet sich in Bulmke-Hüllen an der Wanner Straße/Oskarstraße. Auf diesem Friedhof werden seit Mitte der Dreißiger Jahre keine Bestattungen mehr vorgenommen, steht seit 1996 steht der Friedhof unter Denkmalschutz. Der nachfolgende Aufsatz von Marlies Mrotzek zur Geschichte des Friedhofs wurde erstmalig 2003 in einer Publikation des Vereins für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V. in Gelsenkirchen veröffentlicht.

→ Marlies Mrotzek: Der jüdische Friedhof in Gelsenkirchen-Bulmke

Fotos von den jüdischen Friedhöfen in Gelsenkirchen 

→ Teilansicht des Jüdischen Friedhofs in Bulmke-Hüllen, 1943

→ Der alte Jüdische Friedhof in Bulmke-Hüllen

→ Der Jüdische Friedhof in Ückendorf

→ Inschriften auf dem Jüdischen Friedhof Gelsenkirchen-Ückendorf

Jüdische Friedhofskultur 

Die Juden, der jüdischer Glaube, die jüdischen Gemeinden bildeten über Jahrtausende hinweg einen integralen Bestandteil der Kulturgeschichte, auch der europäischen. Ihr Status in der Geschichte schwankt von Jahrhundert zu Jahrhundert, sogar von Jahrzehnt zu Jahrzehnt: Geachtet, geduldet, vertrieben, ermordert und wieder zurückgeholt. Wenn es die Umständen erlaubten, leisteten sie ihren Beitrag zur kulturellen Entwicklung, zur Kultur- und zur Wirtschaftsgeschichte der Staaten, in der sie lebten.

→ Die Jüdische Friedhofskultur

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Andreas Jordan, November 2008

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