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Die Verfolgung homosexueller Menschen aus Gelsenkirchen

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Homosexualität in der NS-Zeit

Hitler sah Homosexualität als ein "entartetes" Verhalten, das die Leistungsfähigkeit des Staates und den männlichen Charakter des deutschen Volkes bedrohe. Homosexuelle Männer wurden als "Volksfeinde" denunziert, man beschuldigte sie, die öffentliche Moral zu zerrütten und die Geburtenrate in Deutschland zu gefährden. Hunderttausende homosexuelle Männer wurden durch den NS-Staat erfasst und verfolgt.

Die Nazis versuchten Homosexuelle, die nach Ansicht des Nationalsozialismus ja Teil der "Herrenrasse" waren, in die sexuelle und soziale Konformität zu zwingen. Homosexuelle, die sich nicht anpassten und ihre sexuelle Orientierung wechselten, sollten in Konzentrationslager geschickt werden, um sie durch Arbeit umzuerziehen oder zu vernichten.

Die Schätzungen hinsichtlich der Zahl der schwulen Männer, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern ihr Leben lassen mussten, variieren erheblich. Die verlässlichsten Zahlen stammen bis heute von Rüdiger Lautmann, der nach langjährigen Recherchen eine Zahl von 10.000 bis 15.000 in Konzentrationslager verschleppte homosexuelle Männer schätzte, von denen etwa 53 % ums Leben kamen.

Stolpersteine für homosexuelle Männer aus Gelsenkirchen

Dem Arbeitskreis Stolpersteine Gelsenkirchen liegen nun Namen und Verfolgungsschicksale von Männern vor, die wegen ihrer Homosexualität von den Nazis entrechtet, gedemütigt und ermordet wurden. In nächster Zeit werden in Gelsenkirchen Stolpersteine für homosexuelle Männer, die während der NS-Zeit verfolgt und von den Nazis ermordet wurden, verlegt. Wir werden auf der Basis der uns vorliegenden Daten weitere individuelle NS-Verfolgungschicksale homosexueller Männer mit Bezug zu Gelsenkirchen in Kooperation mit Jürgen Wenke recherchieren und dokumentieren.

Der Vorsitzende des Vereins Rosa Strippe e.V. in Bochum, Jürgen Wenke, hat die Patenschaft für einen Stolperstein, der an einen Menschen aus Gelsenkirchen erinnern wird, der wegen seiner Homosexualität von den Nazis verfolgt und ermordet wurde, übernommen. Jürgen Wenke hat sich breits in der Vergangenheit in Bochum für die Verlegung von Stolpersteinen für homosexuelle NS-Opfer eingesetzt.

→ Der Verein: Rosa Strippe e.V. in Bochum

→ Arbeitskreis Stolpersteine in Gelsenkirchen

Stolpern über die Vergangenheit

Künstler Gunter Demnig verlegte einen weiteren Stolperstein gegen das Vergessen. Diesmal erinnert er an den Homosexuellen Friedrich Heintze Seit Anfang der Woche liegt in Bochum der zweite Stolperstein für einen Homosexuellen. Der Künstler Gunter Demnig erinnert damit an Friedrich Paul Heintze (1902-1944). Das ist niemand, den man aus dem Geschichtsbuch kennt, und gerade deshalb soll man nun über ihn stolpern. Friedrich Paul Heintze war ein wegen seiner Homosexualität von Nationalsozialisten Verfolgter.

Deswegen ist Jürgen Wenke, Leiter der Rosa Strippe, der Verein für Schwulen- und Lesbenberatung, sein Pate. Er machte sich auf die spannende Suche nach Friedrich Paul Heintzes Leben. Laut Adressbuch lebte der geborene Bochumer bis mindestens 1942 an der Wörtherstraße 2. Die heißt heute Ursulastraße, und dort legte Gunter Demnig nun den Stolperstein.

Im September wurde Friedrich Heintze unter der Häftlingsnummer 53657 in das Konzentrationslager (KZ) Hamburg-Neuengamme eingeliefert. Warum ist nicht klar, wahrscheinlich wegen seiner Homosexualität. Hier leistete Jürgen Wenke Detektivärbeit. Nach der damaligen Gesetzgebung wurden homosexuelle "Wiederholungstäter" oft nicht mehr frei gelassen, sondern ins KZ gebracht. Man nannte sie "Berufsverbrecher nach §175a". Dieser verbot sexuelle Handlungen zwischen Männern, und wurde erst 1994 abgeschafft. Jürgen Wenke fand heraus, dass Friedrich Heintze, von September 1941 bis August 1944, wegen §175a in Zuchthaus Münster inhaftiert war. Danach wurde er bei der Kriminalpolizei Bochum in Vorbeugehaft genommen.

Friedrich Heintze starb am 6. September 1944 im KZ. Dass er so bald nach seiner Inhaftierung starb, ist nicht verwunderlich. Die Häftlinge im KZ Hamburg-Neuengamme mussten unter widrigsten Bedingungen Hafenbecken ausheben und Lehm stechen. Wenn Sie also demnächst in der Nähe der Ursulastraße sind, stolpern Sie ruhig.

Quelle: WAZ BOCHUM, Mittwoch, 22. Oktober 2008 (WBO 2 NR.247). Autor: to

Homosexuelle Frauen und Männer: Verfolgt - verschwiegen - vergessen

Ein Forschungsprojekt des Arbeitskreises Schwul-Lesbische Geschichte Dortmund.

Zitat: Der Inhalt der Website besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil gibt einen Überblick über die Verfolgung schwuler Männer und lesbischer Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland, weitgehend ohne Berücksichtigung der lokalen Situation in Dortmund und Umgebung. Texte und Abbildungen dieses Teils entsprechen der unter Mitwirkung des Arbeitskreises entstandenen Dauerausstellung in der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache der Stadt Dortmund. Wir danken dem Stadtarchiv für die freundliche Genehmigung, diese Ausstellung ins Netz stellen zu dürfen. Im zweiten Teil präsentieren wir die Ergebnisse unserer Forschungen zur Verfolgung schwuler Männer in Dortmund und Umgebung. 13 Beispiele, weitgehend basierend auf Akten der NS-Justiz, die im Landesarchiv NRW/Staatsarchiv Münster aufbewahrt werden, sollen den schwulen Verfolgten und Ermordeten der NS-Zeit ein Gesicht geben.

→ Arbeitskreis Schwul-lesbische Geschichte Dortmund

Erinnerungen an das Schicksal der Rosa-Winkel-Häftlinge

Dr. Jörg Hutter dokumentiert auf seiner Internetpräsenz am Beispiel von Karl Gorath und Wilhelm Steeneck die Leidenswege dieser beiden Männer.

→ Dr. Jörg Hutter - Die Häftlinge mit dem Rosa Winkel


Andreas Jordan, Juli 2010

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