Andreas Schillack junior
 Andreas Schillack jun., 1926
Andreas Schillack jun. geboren am 30. November 1907, wohnte an der Essener Strasse 71 im Gelsenkirchener Ortsteil Horst und war als Bergmann tätig. Er soll der Widerstandgruppe um Franz Zielasko angehört haben. Zielasko versuchte ab 1943 eine regionale Widerstandsorganisation im Ruhrgebiet aufzubauen, in Gelsenkirchen arbeitete er mit Widerstandsgruppen auf den Zechen zusammen.
Im Gerichtsverfahren vor dem Volksgerichtshof wurde Andreas Schillack jun. vorgeworfen, er habe Franz Zielasko mit Brotmarken für 600 g, einer Dose Schuhcreme und einer Tube Zahnpasta unterstützt. Aufgrund dieses "Verbrechens" wird Andreas Schillack jun. zum Tode verurteilt und am 20. Oktober 1944 in München-Stadelheim enthauptet.
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 Seite 2 des Haftbefehls gegen Schillack u.a.
Spätestens im Juli 1943 hatte die Gestapo erste Informationen über die Tätigkeit von Franz Zielasko in Gladbeck, Gelsenkirchen und weiteren Städten des Ruhrgebietes. In einem Telegramm vom 22. Juli 1943 der Stapoleitstelle Münster, die für den gesamten Regierungsbezirk und damit auch für Gladbeck zuständig war, heißt es: "Zielasko ist hier wieder in Erscheinung getreten und versucht eine illegale KPD-Gruppe zu gründen."
Der vom Volksgerichtshof ausgestellte Haftbefehl für einige der Mitglieder der Widerstandsgruppe datiert auf den 26. Mai 1944. Andreas Schillack jun. wurde am 12. August 1944 festgenommen. Mit welcher ungeheuren Brutalität die Gestapo gegen die Mitglieder der Widerstandsgruppe Zielasko vorgingen, machen die folgende Aussagen deutlich.
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Aussage eines Gladbecker Verwaltungssekretärs vom Jahre 1947:
"So wurden alle die im Prozeß Zielasko angeschuldigten Personen, wenn sie misshandelt worden sind, von den fremden Gestapobeamten des Reichssicherheitshauptamtes Berlin gefoltert. Ich selbst, der Vernehmungsführer, habe an einem Tage, als der Fall Zielasko hier bei der Gestapo bearbeitet wurde, es war gerade Fliegeralarm, gesehen, wie zwei fremde Gestapobeamte vor der Haupteingangstür des hiesigen Polizeigefängnisses standen und ganz offen Folterwerkzeuge, Daumenschrauben, Handpressen, Beinpressen, Ketten mit Widerhaken usw. in den Händen hielten. Diese Wahrnehmung haben etwa noch 30-50 weitere Beamte und Angestellte der im Polizeiamt befindlichen staatlichen Behörden gemacht."
Die mitverhaftete Ehefrau von Zielaskos Quartiergeber Gerhard Possner gab nach dem Krieg zu Protokoll:
"Zur selben Zeit war ... Franz Zielasko zwei Zellen von uns in Haft. Dieser Mann ist von der Gestapo so geschlagen worden, dass wir sein Jammern Tag und Nacht gehört haben."
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Franz Zielasko verstarb nach grausamer Folterung am 18. August 1943. Als offizielle Todesursache wurde angegeben, er sei infolge "hochgradiger Blutarmut und Gelbsucht" gestorben. über den Verbleib der Leiche, die mit einem PKW vom Polizeigefängnis Gladbeck weggeschafft wurde, ist bisher nichts bekannt. Es ist davon auszugehen, dass die Gestapo die anderen Mitglieder der Gruppe in ähnlicher Weise folterte.
 Bericht von der Vollstreckung der Todesurteile
Die Bilanz der Prozesse vor Volksgerichtshof gegen die Zielasko-Gruppe stellte sich bis zum Ende der Nazi-Herrschaft folgendermaßen dar: Zehn Gladbecker erhielten Freiheitsstrafen von 3 Jahren Gefängnis bis zu 10 Jahren Zuchthaus; wobei fast alle in der Haft ums Leben kamen. Aus Gladbeck wurden zwei Personen zum Tode verurteilt und hingerichtet, ebenso aus Gelsenkirchen sieben Personen, je eine Person aus Herne, Hamm und Essen und zwei Personen aus Rheine. Zu den vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilten und hingerichteten aus Gelsenkirchen gehörten u.a. auch Paul Bukowski, Fritz Rahkob sowie Andreas Schillack junior .
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 Familie Schillack, links Johann und Anna, rechts Andreas Schillack sen.
Andreas Schillack wurde in Stadelheim von Scharfrichter Johann Reichhart enthauptet, unter dessen Guillotine auch Sophie Scholl und weitere Mitglieder der "Weißen Rose" starben. Mit ihm werden hingerichtet: Sein Onkel Andreas Schillack sen., Karl Lomberg aus Essen, Hermann Frost, Fritz Struckmeier, Emil Rattey, Leo Marek, Erich Porsch und Gerhard Possner. Zitat [1]: "Nachmittags um vier war dann Hinrichtung. Da kam der Scharfrichter an mit seinen zwei Kumpanen, die Gefängnisbeamten und der Staatsanwalt", erinnert sich der überlebende Mithäftling Heinrich Hamm. "Direkt im Anschluß an unsere Baracke! Da stand die Guillotine! [...] Wir mußten hören, wie die Köpfe unserer Genossen gefallen sind." Erst vom 27. November 1944 datiert die lapidare Benachrichtigung des Gerichtshofs an Maria Schillack: "Das Urteil des Volksgerichtshof vom 18. Juli 1944 gegen Ihren Ehemann ist am 20. Oktober 1944 vollstreckt worden. Die Veröffentlichung einer Todesanzeige ist unzulässig."
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Die Karriere des Christian Tippmann
Christian Tippmann, Jahrgang 1908, ist in der Gemeinde Horst-Emscher [2] geboren. Er hat eine Bergmännische Ausbildung abgeschlossen. Tippmann war zunächst KPD-Mann. Nach der Machtübergabe an die Nazis wandelte sich seine politische Gesinnung, so trat Tippmann 1933 in die SS ein. Tippmann machte in der NS-Zeit Karriere. 1939 ging er nach Herringen. Auf der Zeche Heinrich Robert [3] in Herringen [4] wurde Tippmann Fahrsteiger und war dann später langjährig als Leiter der Ausbildungsabteilung tätig. Ein Genosse aus der KPD-Zeit in Horst-Emscher flüchtete Anfang der 1940er Jahre vor den Nazis aus Gelsenkirchen nach Pelkum. Dort war auch Andreas Schillack sen. aktiv im Kommunistischen Widerstand tätig. Tippmann war mit einer Denunzierung bei der Gestapo maßgeblich an der Verhaftung der gesamten Gruppe, die um Franz Zielasko auch in Gelsenkirchen tätig war, beteiligt. [5]
Auch nach 1945 machte Christian Tippmann dann erneut schnell Karriere, verfügte er doch über gute Verbindungen zu alten Seilschaften aus der NS-Zeit. 1950 beauftragte ihn die damalige Militärregierung zum Amtsvertreter, so begann die politische Nachkriegs-Karriere des Christian Tippmann. Er wurde 1952 stellvertretender Bürgermeister, 1956 Bürgermeister. Von 1968-1974 war er Bürgermeister der Großgemeinde Pelkum-Herringen. 1968 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er war Mitglied im Kreistag Unna von 1959-1974, zeitweilig Stellvertretender Landrat. Ab 1975-1984 war er dann Bezirksvorsteher von Hamm-Herringen.
Christian Tippmann starb im Alter von 85 Jahren am 15. Mai 1993. Er wurde auf dem evangelischen Friedhof in Hamm-Herringen beigesetzt. Am 20. Januar 2006 wurde der Marktplatz in Hamm-Herringen nach dem ehemalige Angehörigen der Waffen-SS und Mitglied der NSDAP Christian Tippmann benannt.
Am 20. Oktober 1944 wurde Andreas Schillack sen. aus Hamm und Andere [5] wegen "Feindbegünstigung in Tateinheit mit Vorbereitung zum Hochverrat" in München-Stadelheim enthauptet. Im Sommer 2009 wurde ein Stolperstein zur Erinnerung an Andreas Schillack sen. am Heringer Weg 4 verlegt.
[1] Zitat aus "Links liegengelassen. Das rote Herringen", herausgegeben von Maria Perrefort im Auftrag des Hammer Geschichtsvereins e.V. in Hamm, o. Jahr. Darin enthalten das Schicksal des Widerstandskämpfers Andreas Schillack senior, Hamm)
[2] Horst-Emscher war bis 1928 selbständige Gemeinde, dann Eingemeindung zu Gelsenkirchen)
[3] Vormals Zeche de Wendel, am 26. April 1937 wurde die Zeche in Aktiengesellschaft Steinkohlenbergwerk Heinrich Robert getauft. Die Schachtanlage hieß von nun an Heinrich-Robert – nach den Vornamen der Gründer de Wendel
[4] Herringen wurde am 1968 mit Pelkum zur neuen Großgemeinde Pelkum zusammengefasst. Mit der Gemeindegebietreform von 1975 wurde diese in die Stadt Hamm eingemeindet, wobei Herringen als Stadtbezirk wieder von Pelkum getrennt wurde.
[5] → Widerstandsgruppe Zielasko
Foto Andreas Schillack jun.: Privatbesitz Familie Schillack
Foto Familie Schillack: Stadtarchiv Gladbeck
Dokumente: Archiv der VVN/BdA, Landesbezirk NRW, Düsseldorf/Widerstandsorganisation Zielasko
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