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Initiative zur Errichtung eines Gedenkortes in Erle

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Kanalfähre gekentert - 21 Tote

Heute erinnert nichts mehr an den Tod der 21 Menschen, die dort am Kanal ums Leben kamen. Das soll sich nun ändern. Eine Initiative unter dem Dach von GELSENZENTRUM strengt die Errichtung eines Gedenkortes an. Ein Zeitzeuge gab am 8. Mai 2009, dem GELSENZENTRUM ein Interview. Hier der Bericht eines Zeitzeugen vom Fährunglück am 07. April 1946 in Gelsenkirchen:

"Ich hatte an diesem unheilvollen Tag zum ersten Male wieder Dienst auf der Kanalfähre, die von der Hafenbetriebsgesellschaft unterhalten wurde. Sie ersetzte die in den letzten Kriegstagen gesprengte Brücke über den Kanal, Höhe Münsterstrasse. Nach meiner Rückkehr aus dem Krieg bin ich vom Gelsenkirchener Arbeitsamt dorthin vermittelt worden. Eigentlich hatte ich gehofft, in meinem vor dem Krieg erlernten Beruf eingesetzt zu werden, dem war aber nicht so, ich kam zum Bedienpersonal der Kanalfähre. An diesem 07. April 1946 war auf dem Wildenbruchplatz Kirmes und im Südstadion fand das erste Fußballspiel nach dem Krieg statt, ich meine mich erinnern zu können, dass die Westfalenmannschaft gegen Hessen spielte.

Bild: Die Kanalfähre nach dem Unglück, deutlich sind die Veränderungen an den Seiten zu sehen

Bild: Die Kanalfähre nach dem Unglück, deutlich sind die Veränderungen an den Seiten zu sehen

Die Fähre war voll mit Menschen, vor dem Unglück war sie für 80 Personen zugelassen und sah anders aus als auf dem Foto. Dieses Foto ist erst später, nach dem Unglück, entstanden. Es befanden sich seitlich an der Fähre zusätzlich angeschweißte Stahlplatten, auch gab es die Absperrung in der Mitte noch nicht, ebenso gab es keine Rettungsringe.

So fanden 8o Personen stehend auf der glatten Stahlplattform Platz. Nachdem die Fähre vom Buerschen Ufer abgelegt hatte, begannen Jugendliche durch Hochspringen die Fähre aufzuschaukeln, was zur Folge hatte, dass die Fähre nur einige wenige Meter vom Ufer entfernt kenterte.

Um 14.00 Uhr war Dienstbeginn an diesem Tag. Es war die erste Übersetzung auf meiner Schicht. Auf der Fähre befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks vom Bedienungspersonal der Fährmann Karl May und ich als Helfer. May war Kriegsversehrter, hatte nur ein Auge, mit dem er auch noch schlecht sah. 5-6 Meter vom Ufer entfernt ist die Fähre dann gekippt, alles Kurbeln am Fährseil konnte nicht verhindern, dass die Fähre unterging, der Haspel riss ab und die Kurbel schlug mir vor die Brust. Fährmann May, der schnell ans Ufer kam, half denen, die sich selbst ans Ufer retten konnten, aus dem Kanal. Ich bin dann mit dem Fahrrad zum Forsthaus gerast, da kein Telefon vor Ort war, um die Rettung zu alarmieren".

Glücklicherweise befand sich eine Ärztin an Bord der Fähre, die sofort half, wo noch zu helfen war. Sie hat den Menschen einen Spiegel vor Mund und Nase gehalten, um Atmung feststellen zu können. Die Mutter meines besten Jugendfreundes mußten wir als Leiche bergen. Sie war leider unter den Ertrunkenen.

Nach drei Tagen kam ein Hebeschiff aus Duisburg. Beim heben der Fähre gab sie eine weitere Leiche frei. Es war ein Soldat in der Uniform der ehemaligen Kriegsmarine. Wir suchten den Kanalgrund mit langen Stangen, die am Ende einen Haken hatten, nach Leichen ab. Am Haken hingen dann auch die Leichen der ertrunkenen zwei Kinder. Es war schrecklich, die ertrunkenen Kinder zu sehen, obwohl man zu der Zeit vom erlebten Kriegsgeschehen ziemlich abgestumpft war. Ich sehe diese Bilder noch heute vor mir. Insgesamt forderte das Unglück 21 Tote, davon 14 Männer, 5 Frauen und zwei Kinder.

Etwa 50 Meter neben der An- und Ablegestelle auf der Buerer Seite befand sich das Bootshaus eines Kanu-Vereins, dessen anwesende Mitglieder sich sofort an der Rettungsaktion beteiligten. Das Bootshaus ist heute noch an der selben Stelle zu finden wie 1946. Der Fährbetrieb wurde nach dem Unglück für etwa drei Wochen eingestellt, bis man die Fähre entsprechend umgebaut hatte. In dieser Zeit mußten alle die Zechenbrücke Graf Bismarck benutzen, um nach Gelsenkirchen, bzw. nach Buer zu kommen.

Um die Fähre sicherer zu machen und einem erneuten Unglück entgegen zu wirken, wurden die seitlichen Plattformen entfernt, in der Mitte wurde eine Art schräge Rampe eingebaut, die ein unkontrolliertes Zusteigen im Moment des Ablegens verhindern sollte. Die Anzahl der zu befördernden Personen wurde nach dem Unglück auf 52 Personen begrenzt. Die glatten Stahlplatten der Plattform wurden mit einem Holzrost versehen. Anfang 1949 begann dann der Prozess. Es tagte das Oberlandesgericht Hamm für drei Tage im Rathaus zu Buer, jeden Tag von 10:00 Uhr Morgens bis 22:00 Uhr Abends. Das Gericht konnte jedoch keinen Schuldigen feststellen.

Heike Jordan, Mai 2009

Initiative zur Errichtung eines Gedenkortes in Erle

Bild: Trümmer der alten Brücke über den Kanal

Dort, wo seinerzeit das Unglück geschah, liegen jetzt am zum Ortsteil Bismarck gehörenden Ufer Trümmer der alten Brücke. Die Steine sind wohl bei Bauarbeiten in jüngerer Zeit gefunden und dann dort abgelegt worden. Das Unglück ereignete sich in unmittelbarer Nähe, hier könnte der Gedenkort für die Opfer des Fährunglücks aufgestellt werden ,die Symbolkraft der Trümmer soll mit in den Gedenkort einfließen.

Bild: Die Erler Kanalbrücke, 1923

Das eines der Trümmerstücke tatsächlich von der alten Erler Brücke stammt, beweist dieses Foto. Ein weiteres Teil, die Spitze eines der Pfeiler ( Bild unten, siehe Markierung) soll noch existieren. Recherchen der Initiative haben ergeben, das dieser Teil des Brückenpfeilers auf dem Gelände des Aussenbezirks Herne des Wasser- und Schifffahrtsamtes Duisburg-Meiderich aufgestellt wurde. Wir werden nachfragen.

Bild: Die Erler Kanalbrücke

Zur Erinnerung an die 21 Menschen, die bei dem Fährunglück am 7. April 1946 ums leben kamen

Badziong, Gottlieb
Franz Balzarek
Hans Balzarek
Ernst Baretti
Heinrich Bendler
Erich Benn
Sebastian Eisert
Maria Engel
Erich Funk
Josef Espey
Norbert Espey
Henriette Gilsau
Klemens Goebel
Egon Hettesheimer
Irmgard Sitz
Martha Kosiey
Michael Kositzki
Hermann Mai
Gertrud Schmich
Gottlieb Skeba
Heinrich Weiß

Bild: WAZ-Artikel vom 7. April 1966

WAZ-Artikel vom 7. April 1966. Quelle: Stadtarchiv Gelsenkirchen


Andreas Jordan, Juni 2009

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